Konzeption

Auf dieser Homepage ist lediglich der Teil der Konzeption des Waldkindergartens Waldzwerge Neckargemünd e.V. zu finden, der wohl bei InteressentInnen des Kindergartens die größte Bedeutung hat: die Schilderung zweier typischer Tage im Wald.

 

Die komplette Konzeption kann auf Anfrage hin per Mail zugeschickt werden (Kontaktaufnahme bitte telefonisch).

 

 

 

Ein Wintertag am Bauwagen

 

Vorbemerkung: Die folgenden Ausführungen schildern ganz bewusst auch kleine, aber für die Szenerie des Waldkindergartens sehr typische Details. Es wird hierbei aus der Sicht der Kinder und Erzieher erzählt, um die Atmosphäre und Besonderheiten des Kindergartens  zu transportieren.

 

Es ist 7:30 Uhr im Januar. Im Wald ist es noch dunkel und still. Nur die Schritte der drei ersten Kinder sind im tiefen Schnee zu hören.

Dick eingepackt machen wir uns auf den Weg zu unserem Bauwagen. Und dabei gibt es so einiges zu entdecken. Jede Menge Spuren verschiedenster Art, unterschiedlicher Größe und Form sind zu sehen. Wir sind heute morgen also doch nicht die Ersten im Wald! Den Spuren zu folgen, zu erraten, von wem sie sind und neue Spuren zu entwerfen, macht den Kindern großen Spass.

Am Bauwagen angekommen stellen wir fest, dass eine Dachlawine den Eingang verschüttet hat und Türe und Fensterläden über Nacht zugefroren sind. Mit unserem Atem schaffen wir es wir nach einiger Zeit, das Schlüsselloch aufzutauen und können die Türe öffnen. Jetzt müssen die Schaufeln herhalten. Allen macht es riesengroßen Spass, den verschütteten Eingang freizuschaufeln. Dann muss schnell der Gasofen einschaltet werden, denn das Thermometer zeigt  -10 Grad an. Brrrrrrrr! Doch durch die Wärme des Ofens lassen sich dann nach und nach die Fenster öffnen. Bis es hell wird, haben wir schon einiges geschafft, und gerne kuscheln wir uns auch zusammen mit einem Buch in den Bauwagen.

Um 9:00 Uhr trifft dann der Rest der Gruppe ein. Eine ErzieherIn holt die Kinder unten am Waldrand an der Schranke ab, und fröhlich steigen sie dann, mit Schlitten im Schlepptau, den Berg hinauf. Nun beginnen wir gemeinsam den Tag im Morgenkreis. Es werden Lieder gesungen, Spiele gemacht, mit einem Auszählreim das heutige Tageskind ermittelt, es werden die Kinder gezählt, und es wird dabei auch an diejenigen gedacht, die heute zuhause sind. Dann besprechen wir, was wir heute machen wollen. Und das ist allen klar: Schlittenfahren! Juhuuu! Jeder schnappt sich seinen Schlitten, und los geht der Winterspass. Dank unserer Lage am Melacpass haben die Kinder die Möglichkeit, eine tolle (Renn-) Piste zu haben. Doch hier gelten auch Regeln: Es wird beispielsweise erst losgefahren, wenn der Vordermann/die Vorderfrau gestartet ist, und nach dem Ankommen unten wird an der Seite entlang wieder nach oben gelaufen. Die Kinder achten dabei sehr genau aufeinander und helfen sich gegenseitig, falls es einmal eng wird. Hinauf und hinunter geht es  immer wieder, bis das Waldhorn das Signal zum Vesper bläst.  Puh, da wird es einem so richtig warm!

Doch dann ist Frühstückszeit. Alle Kinder kommen mit ihrem Schlitten hoch zum Bauwagen, binden ihn an das Treppengeländer und stellen sich hinter dem Bauwagen -am sogenannten Wasserfall-  in einer Reihe zum Händewaschen auf. Jetzt ist bei den ErzieherInnen Teamwork gefragt: EineR zieht den Kindern Handschuhe und Jacken aus (die Mützen stecken die Kinder selbst in ihre Jackenärmel).  Danach wäscht der/die Andere den Kindern die Hände, während der/die Erste im Bauwagen schon dabei ist, alle Kleider über den Ofen und drumherum aufzuhängen. Nacheinander treffen alle 20 Waldkinder im  Bauwagen ein und suchen sich einen Platz. Mit einem Essensspruch, den das Tageskind ausgesucht hat, beginnt das gemeinsame Vesper in der Runde. Herrlich duftet es aus den Essens-Dosen, und die Kinder tauschen so manche Leckereien aus. Nach all dem Schneetreiben kehrt nun Ruhe ein, und jedeR stärkt und wärmt sich.

Nach dem Essen geht es wieder ans Anziehen, doch vorher gehen alle nochmal Pipi machen (denn wer einmal in seinem ‚Kleiderberg‘ drin ist, kommt, wenn es einmal eilig wird, nicht wieder so schnell alleine heraus...). Danach gilt es wieder, die Handschuhe und die Jacke anzuziehen, die Mütze auf den Kopf zu setzen und weiterzuflitzen. Die meisten Kinder wollen draussen weiter spielen. Da wird dann im Schnee gebaut, gekocht und viel Interessantes entdeckt. Doch manche halten sich nach dem Vesper auch gerne im Bauwagen auf, beim Weben, Malen oder beim Bücher anschauen in der Kuschelecke.

So geht der Tag im Flug vorüber, und die Kinder hören gegen 12:15 Uhr wieder das Waldhorn zum Abschlusskreis ertönen. Sind alle Schlitten und Werkzeuge eingesammelt, treffen wir uns noch einmal gemeinsam im Sitzkreis. Wir erzählen uns, was wir erlebt haben, machen Kreisspiele oder hören Geschichten und verabschieden uns mit einem Abschiedslied.

Und dann kommt der krönende Abschluss: Alle setzen sich, mit ihren Rucksäcken bepackt, auf ihre Schlitten, die möglichst nebeneinander platziert werden. Eine Startlinie wird gezogen. Jüngere Kinder, die noch nicht alleine fahren können, werden von älteren begleitet oder fahren mit einer/einem ErzieherIn voraus zur Schranke, wo die Eltern auf ihre Kinder warten. Der/die andere ErzieherIn gibt oben das Startzeichen, welches Kind zu welcher Zeit den Berg ganz hinunterfahren darf. Und los geht’s! Unten angekommen, erwischt auch die Eltern noch so manche Schnee-Bremswelle. Was für ein Spass!

 

 

Ein Sommertag: Unterwegs im Wald

 

Der Himmel leuchtet blau, die Sonne blinzelt hinter dem Berg hervor durch die Blätter der Buchen. Die Erzieher lauschen mit den ersten Kindern dem Morgentreiben des Waldes. Manche frühstücken erst oder legen sich zum wach werden in die Sonne. Andere beginnen sofort mit dem Spielen. Die Erzieher packen im Bauwagen alles zusammen, was sie für den Tag im Wald brauchen: Schaufeln, Hämmer, Reiben, Rechen, Schnitzwerkzeug und Töpfe. Ausserdem müssen der Wasserkanister, das Handtuch, Seife und die Erste Hilfe-Ausrüstung in den Rucksack.

Um 9:00 Uhr beginnt der gemeinsame Tag im Waldkindergarten. EinE ErzieherIn holt die Kinder an der Schranke am Waldrand ab und läuft mit ihnen hinauf zum Bauwagen. Dann bläst das Horn. Gemeinsam starten alle im Baumstumpfkreis am Bauwagen mit dem Morgenkreis. Wir singen Lieder, machen Fingerspiele, zählen mit einem Auszählreim das heutige Tageskind aus, zählen die Kinder, denken an die, die zuhause sind und besprechen, wohin es heute gehen soll.

Und heute gehen wir zum Sonnenplatz. Juhuuu! Alle jubeln. Dann geht es auch schon los. Alle ziehen ihre Rucksäcke auf und treffen sich an der Treppe über dem Bauwagen.

Damit jedeR in seinem/ihrem Tempo gehen kann und die Gruppe doch gemeinsam unterwegs ist, gibt es auf den Wegen des Waldkindergartens mehrere Haltestellen, an denen aufeinander gewartet wird.

Also gehen alle los. Bis zum ersten Halt, dem Gaitschibaum. Der Gaitschibaum ist bzw. war eine Buche, in deren Stumpf eine kleine Höhle ist. Darin wohnte einst ein Zwerg namens Gaitschi mit seiner Frau. Da die Buche mittlerweile gefällt und somit das Dach der Höhle undicht ist, sind die beiden umgezogen. Wohin, das wissen wir allerdings nicht.

Auf zum nächsten Halt, dem Wasserloch! Entlang des Pfades kommt die Gruppe zu einem Bächlein, über das eine kleine Holzbrücke gebaut ist. Wenn es lange geregnet hat, schwillt der Bach so an, dass ein richtiges ‚Wasserloch‘ entsteht. Hier finden die Kinder immer wieder dicke Frösche und im Winter lange Eiszapfen.

Der nächste Halt: die erste Treppe. Hier haben die Waldzwerge ungefähr die Hälfte der Strecke erreicht. Gerne legen die Kinder im Schatten der Bäume eine Trinkpause ein. Danach geht es weiter zum nächsten Halt, der zweiten Treppe. Jetzt ist man schon weit oben am Berg. Von hier aus hat man einen guten Ausblick: Bis zum Neckar kann man schauen, die Schiffe erspähen, die dort fahren und dabei sogar erkennen, was sie geladen haben. Auch die S-Bahn und Güterzüge, Mäusebussarde und Hubschrauber lassen sich von hier aus beobachten. Aber manchmal kann man auch vor lauter Nebel den Berg auf der anderen Seite des Neckars nicht mehr sehen.

Zwischen den Haltestellen gibt es auf dem Weg einiges zu beobachten und zu entdecken: Immer wieder werden Pflanzen, Käfer, Spinnen gefunden. Auch interessante Spuren können entdeckt werden, und an tollen Kletterstämmen, Astschaukeln und Geheimgängen haben die Kinder (und die ErzieherInnen! ;-) ) eine Menge Spass. So kann sich die Gruppe schon weit auseinanderziehen, und der Weg wird unbeabsichtigt zum Tagesziel. Doch heute wollen die Kinder zum Sonnenplatz, und so finden alle am nächsten Halt, bei den Gnomenbäumen, wieder zusammen.

Bis dorthin geht die Gruppe ein Stück weit auf dem befestigten Waldweg, an dem entlang sich auch der Sinnespfad des Neckargemünder Waldes befindet. Zu diesem Sinnespfad gehören unter anderem eben jene Gnomenbäume. Das sind ein paar lustige Baumgesellen, die sich mit den Wurzeln nach oben in die Erde gesetzt haben und mit ihren komischen Gesichtern für Spass und Schelmereien sorgen. Gegenüber befindet sich ein steiler Hang, an dem die Kinder gerne klettern und rutschen, besonders, wenn die  Erde nass und schlammig ist. Oben am Hang geht es weiter zum nächsten und letzten Halt, dem Steinkreis am Sonnenplatz. Hier treffen sich alle, um ihre Rucksäcke abzulegen. Dann wird der Platz erkundet und nachgeschaut, was sich über Nacht dort so getan hat. Schon nach kurzer Zeit beginnen die Kinder ihr Spiel. Gegen 10:30 Uhr bläst das Horn zum Händewaschen. Alle kommen und stellen sich an einem Baumstumpf, auf dem der Wasserkanister steht, in einer Schlange auf. Das Tageskind steht dabei vorne und darf zwei Kinder als Handtuch- und Seifenhalter aussuchen. Dann werden die Ärmel zurückgekrempelt und die Hände gewaschen. So kommen nach und nach alle in den Steinkreis und richten sich dort ihren Vesperplatz. Gemeinsam wird dann mit einem Essensspruch begonnen, und anschließend wird es leise im Wald. Von den Kindern ist für eine Weile nur noch ein Schmatzen und Rascheln zu hören.

Nach dem Vesper packen die Kinder ihre Sachen wieder zusammen und gehen meist ihrem vorherigen Spiel wieder nach. Es wird in Gruppen gespielt und gearbeitet, gekocht, gehämmert, geschaufelt, im gebauten Lager und im Häuschen gewerkelt. Klettern, Rennen, Kriechen, Liegen, Schaukeln und Kullern in Spiel und Fantasie finden quer durch den Wald statt. Heute entsteht am Tipi ein Zirkus mit vielen wilden Tieren, die von zwei Direktorinnen bekocht und gebändigt werden. Kleine Raubkatzen teilen alte Buchenblätter vom vorherigen Jahr als Eintrittskarten aus, während die anderen für die Vorstellung üben. Am steilen Hang spielen ein paar Jungs Bergsteiger. Andere graben sich durch einen Rindenberg einen Tunnel, und eine Gruppe von jüngeren Kindern baut aus Rindenstücken eine lange Kugelbahn, durch die Steinchen und Lehmkugeln kullern. Hier im Wald sind der Vorstellung und dem Belieben keine Grenzen gesetzt, sodass jedeR etwas für sich findet. Auch die Erzieher spielen gerne mit, beobachten, helfen und geben durch ihr eigenes Tun  und Schaffen Anregungen.

Gegen 12:15 Uhr bläst das Horn nun zum letzten Mal. Es ist Aufräumzeit. Alle kommen zum Steinkreis und bringen Töpfe und Werkzeuge mit. Daraufhin zählt ein Kind die Töpfe und ein anderes die Werkzeuge. Ist nicht jedes Teil da, schwärmen alle aus, um die fehlenden Sachen zu suchen.  Wenn dann alles eingepackt ist, trifft sich die Gruppe im Abschlusskreis auf dem Waldsofa. Nach einem Kreisspiel oder einer Geschichte wird der Tag noch einmal zusammengefasst, und das Tageskind berichtet, was für es am schönsten war. Nachdem das  Abschiedslied gesungen wurde, machen sich alle auf den Heimweg. Gerne pflücken die Kinder dabei noch einen Blumenstrauß oder sammeln Steine und andere kleine Dinge als Geschenk für die Eltern.

Wieder am Bauwagen angekommen, gehen die Kinder mit grüner Baumscheibe am Rucksack (è Abholzeit 13:00 Uhr) mit einer/einem ErzieherIn weiter zur Schranke, wo die Eltern schon warten. Die Waldzwerge mit einer roten Baumscheibe (è Abholzeit 14:00 Uhr) bleiben mit der/dem anderen ErzieherIn am Bauwagen. Dort wird gerne noch gemalt, gespielt oder vorgelesen, bis dann um 14:00 Uhr alle abgeholt werden.